Kurzbericht aus der Feder von Ilassion Thamark,
Geschichtsschreiber an der Universität der hohen Künste zu Ventria



"Das Fürstentum Vandrien

Tardukai Vandrien ist ein ländliches Fürstentum an der Westküste Galadons. Der Arm des Königs reicht hierhin traditionell nur sehr schwach. Die Bevölkerung ist größtenteils ländlich und nicht besonders wohlhabend, aber bemerkenswerter Weise leidet so gut wie niemand Hunger, da das Fürstenhaus seit jeher darauf bedacht ist den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Die meisten Leute leben als Bauern vom Anbau von Gemüse und verzehren auch das was sie selbst anbauen. Der typische Vandrier ist sehr nationalistisch eingestellt; was sich insofern äußert als dass man auf die eigene Familie stolz ist, auf die Errungenschaften des Dorfes, der Region, dann des Fürsten und schließlich die gesamte vandrische Geschichte.

Was die Religion anbelangt ist man streng viergöttergläubig und lässt sich auf keine Experimente mit Angamon oder den Elementargöttern oder ähnlichem ein. Auch Elfen, Zwerge oder sonstige nichtmenschliche Rassen sind in Vandrien praktisch nur auf der Durchreise anzutreffen und werden stets mißtrauisch beäugt.

In der Außenpolitik ist das Fürstentum seit jeher eher isolationistisch. Man kümmert sich wenig um Galadonische Politik, und ist froh wenn es die Galadonische Politik umgekehrt ebenso hält. Mit den kleineren benachbarten Grafschaften hatte man in der Vergangenheit öfter Querelen, nach der Hochzeit zwischen Raziel von Vandrien und Leonie, der ältesten Tochter eines benachbarten Grafen hat sich das jedoch größtenteils gegeben, da beide sowohl in ihrer Heimat als auch in der ihres jeweiligen Gatten über großes Ansehen verfügten.

Nach Raziels Fall änderte sich das Bild des Fürstentums grundlegend. Das gesamte Land befindet sich in einem Zustand permanenten Bürgerkriegs, da die Inquisiton bei weitem nicht auf den Rückhalt getroffen ist den sie sich gewünscht hatte. Mancherorts schenkte man den Gerüchten um den Fürsten keinen Glauben – und an anderen Orten kümmerte man sich schlichtweg nicht darum.
Vor allem jedoch in den größeren Städten, wo die gebildeteren Vandrier leben, ist der Einfluß der Kirche groß genug um mit Fug und Recht sagen zu können dass das Fürstentum nun unter der Kontrolle der Inquisition, oder genauer gesagt des königlichen Großinquisitors Ancoron Feldenhoft steht. Letzten Endes gab das den Ausschlag dafür dass der Fürst die alte Hauptstadt Thorn verlassen und nach Siebenwind übersetzen musste, wobei viele vandrische Bauern es in Kauf nahmen der Inquisition in die Hände zu fallen bei dem Versuch die Abreise Raziels zu sichern.
Heute kann man wohl sagen dass es den typischen Vandrier nicht mehr gibt; je nachdem in welcher Region und welcher sozialen Schicht man sich bewegt sind die Menschen entweder auf Seiten der Kirche oder auf Seiten ihres – ehemaligen – Fürsten; ein Riss der sich durch die gesamte Gesellschaft zieht und in absehbarer Zeit auch nicht verheilen wird."